Vergangenheitsentsorgung durch Privatisierung
Mahnwache in Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz
Der 2. Senat des Reichskriegsgerichtes verurteilte vor 65 Jahren, am 19. Dezember 1942, Libertas und Harro Schulze-Boysen, Elisabeth und Kurt Schumacher, Arvid Harnack, Hans Coppi und weitere Angeklagte aus der Widerstandsgruppierung „Rote Kapelle“ zum Tode. Sie wurden auf Befehl Hitlers bereits am Abend des 22. Dezember in der Hinrichtungsstätte Plötzensee ermordet.
Das Reichskriegsgericht fällte in der Charlottenburger Witzlebenstrasse von 1939 bis 1943 über 1.400 Todesurteilen. Ein privater Investor erwarb das Gebäude vom Bund und baute darin 107 Luxus-Wohnungen aus. Eine Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz ist im neu benannten „Atrion am Lietzensee“ nicht vorgesehen.
Es bleibt die Notwendigkeit, sich dem historischen Erbe des Gebäudes zu stellen. In dem großen Gerichtssaal, in dem viele Todesurteile gesprochen wurden, sollte eine Ausstellung die mörderische NS-Militärjustiz dokumentieren. Stattdessen wird ein Gemeinschaftsraum für die Mieter entstehen. Es vollzieht sich eine stille Entsorgung von Geschichte.
Wir rufen zu einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer der NS-Militärjustiz auf.
Es sprechen:
Dr. Hans Coppi, Historiker und Vorsitzender Berliner VVN-BdA, seine Eltern wurden vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt
Grußworte:
Prof. Dr. Manfred Messerschmidt und Dr. Helmut Kramer, Richter am OLG a.D.
Unterstützer:
Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz
Gesellschaft für Weltkriegs- und Faschismusforschung
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (Berliner VVN-BdA)
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Berlin
Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär
Naturfreunde Ortsgruppe Friedrichshain-Kreuzberg
Republikanischer Anwältinnen und Anwälte Verein (RAV)
Einzelpersonen:
Ludwig Baumann, Deserteur, 1942 zum Tode verurteilt
Dr. Hans Coppi
Wolfgang Kaleck (Republikanischer Anwältinnen und Anwälte Verein (RAV)
Dr. Helmut Kramer Richter Richter am OLG a.D.Professor Dr. Manfred Messerschmidt
Dr. Franz von Hammerstein (angefragt) u.a.
Für Rückfragen steht Ihnen Lothar Eberhardt
(Koordinator der Gedenktafelinitiative Franz Jägerstätter)
unter 030 693 49 73 — Mobil: 0176 965 03 573 — Email: lebgut07@yahoo.de zur Verfügung
Bündnis „Gegen stille Entsorgung der Vergangenheit“
c/o Berliner VVN-BdA Franz-Mehring-Platz 1 in 10243 Berlin
• 19. Dezember 2007 – 17:30 Uhr
• Witzlebenstrasse, Ecke Witzlebenplatz – vor der Gedenktafel von Franz Jägerstätter – U-Bhf. Sophie-Charlotte-Platz, ca. 5 Gehminuten
• Berlin Charlottenburg