Ursula Goetze 29.3.1916 – 5.8.1943
mit Frieder Böhne und Hans Coppi
Zum 65. Mal jährt sich der Abend, an dem Ursula Goetze mit zwölf weiteren Frauen und drei Männern in der Hinrichtungsstätte Plötzensee ihren letzten Weg gehen mussten.
Mitte Oktober 1942 inhaftiert, ordnete die Gestapo Ursula Goetze dem Fahndungskomplex „Rote Kapelle“ zu. Dahinter verbargen sich über 120 Frauen und Männer, Regimegegner unterschiedlicher sozialer Herkunft und mit verschiedenen politischen und weltanschaulichen Ansichten aus sieben Berliner Freundes- und Widerstandskreisen. 50 Todesurteile wurden gefällt. Im Urteil gegen Ursula Goetze und ihre Freunde heißt es: „Die Angeklagten sind fanatische Gegner des nationalsozialistischen Staates, Gesinnungsgenossen des Harro Schulze-Boysen und Staatsfeinde im kommunistisch-bolschewistischen Sinne.“
Ursual Goetze stammte aus einem bürgerlichen Elternhaus, der Vater war Kaufmann und betrieb ein Hotel. 1931 / 32 schloss sie sich in Neukölln der Kommunistischen Jugend und der Internationalen Arbeiterhilfe an. Die Verbindung sollte bis zu ihrer Verhaftung nicht abreißen.
Sie absolvierte die Höhere Handelsschule und arbeitete als Sekretärin. Ab 1938 besuchte sie das Abendgymnasium und nahm nach dem Abitur im Jahr 1940 ein Studium an der heutigen Humboldtuniversität mit dem Ziel auf, Lehrerin zu werden. Nach dem Abendgymnasium trafen sich einige Mitschüler in der Wohnung von Eva Knieper. Durch Diskussionen mit ihren Ehemann, dem Neurologen John Rittmeister, und weiteren Bekannten entstand ein Widerstandszirkel. Ausländische Nachrichten wurden abgehört, Kontakte zu Zwangsarbeitern und anderen Nazigegnern aufgebaut. Anfang 1942 ergab sich ein Kontakt zu Harro Schulze-Boysen. Man ging zu Widerstandsaktionen über. Aus Protest gegen die Hetzausstellung „Das Sowjetparadies“ fertigten Ursula Goetze und ihre Freunde Hunderte Klebezettel: „Das Naziparadies: Krieg, Hunger, Lüge, Gestapo – Wie lange noch?“
Diese Aktion in verschiedenen Stadtteilen sorgte Mitte Mai 1942 für einiges Aufsehen, die Akteure blieben zunächst unentdeckt. Die Gestapo verhaftete im September / Oktober 1942 den Freundeskreis. Neben Ursula Goetze wurden auch Fritz Thiel, Otto Gollnow, John Rittmeister, Friedrich Rehmer und Liane Berkowitz durch die Nazijustiz ermordet.
Die VVN-VdA Berlin lädt zu einer Gedenk- und Informationsveranstaltung über das Leben, Denken und Wirken von Ursula Goetze und ihrer Freunde ein. Unser Ziel ist es auch, die antifaschistischen Traditionen im Kiez zu würdigen und der Vergessenheit zu entreißen.
• 5. August 2008 – 19 Uhr
• TEE-LESE am Kreuzberg, Großbeerenstraße 56
• Berlin Kreuzberg
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